Suchmaschinen wie Bing, Baidu oder Yandex – Worin bestehen die Unterschiede zwischen den Kontrahenten von Google?

Die Dominanz des Suchmaschinen-Mammuts Google ist so enorm, dass in Deutschland über 90% der Suchmaschinenanfragen über Google erfolgen. Ähnlich sieht es in anderen europäischen Ländern aus, von Nord Amerika ganz zu schweigen.

Google ist weltweit so stark und prominent, dass sogar ein Verb daraus geworden ist: “Google etwas” wird inzwischen synonym dafür verwendet, eine Suchmaschinenanfrage zu starten – und klingt auch noch eingängig. Oder hast du schon jemals jemanden sagen hören: “Ich werde das mal yahooen”? Nein, wahrscheinlich nicht – denn niemand würde das sagen.

Google Chrome ist einer der am meisten verwendeten Web Browser und seit der Übernahme von YouTube im Jahr 2006, läuft im Internet heutzutage praktisch nichts mehr ohne Google.

Der König der Suchmaschinen rangiert beim Alexa Ranking auf Platz 1, gefolgt von YouTube – das zu Google gehört – und anschließend Facebook. Auch die länderspezifischen Seiten von Google ranken immer noch eindrucksvoll auf Platz 7 in Indien, 10 in Japan, Platz 21 in Deutschland und 25 in Frankreich.

Nur zur Verdeutlichung: Es gibt 1.12 Milliarden (!) Websites, und jeden Tag kommen mehr dazu.

Google ist inzwischen so mächtig, dass es sich nicht mehr um ein reines Internet-Unternehmen handelt:

Google hat den Lunar X-PRIZE ins Leben gerufen, einen Wettbewerb mit einem 30 Millionen Dollar Preisgeld für das erste Team, das mit einer Sonde auf dem Mond landet, dort mindestens 500 Meter zurücklegt und Daten, Bilder und Videos zur Erde sendet. Somit hat sich eine Suchmaschine auf den Weg ins All gemacht und erschüttert die Welt des Unternehmerisch-Möglichen mit ultra-fortschrittlicher AI. Google pusht so die Limits von Virtual Reality Devices und jagt Apple mit seiner Mobile Technology. Ganz schön beeindruckend, oder?

Aber egal wie mächtig Google geworden ist: Es gibt noch andere Major Player auf dem Feld.

Vor allem in Ost-Asien und Russland sind Suchmaschinen wie Bing, Yahoo, Baidu, Naver und Yandex ernste Konkurrenten für Google – und sogar führend in Ländern wie China und Süd Korea.

Diese Vielfalt an Suchmaschinen erfordert von SEO-Experten, dass Content-Strategien an die Besonderheiten der unterschiedlichen SERPs (Search Engine Result Pages) angeglichen werden.

 

Yandex – Russlands Search Engine Superpower

 

Noch nie von Yandex gehört? Kein Wunder, denn die Suchmaschine in außerhalb von Russland nicht sehr bekannt. Aber die Rolle von Yandex in Russland sollte nicht unterschätzt werden – und wer Geschäftsziele im größten Land der Welt verfolgt, sollte aufmerksam sein.

Yandex ist der viert-größte Anbieter von Suchdiensten auf der Welt und kontrolliert über 61% der Suchanfragen in Russland und anderen russischsprachigen Ländern wie Kasachstan, Weißrussland und der Ukraine.

Der große Vorteil von Yandex besteht – wie das Unternehmen selbst mitteilt – darin, dass die Suchmaschine russische Flexionen und Grammatik versteht und somit eine genauere und User-spezifischere Suche ermöglicht.

Der russische Such-Gigant bietet eine große Auswahl an Diensten an, die mit denen von Google konkurrieren – Karten, Übersetzer, Mail-Service, Electronic-Payment-Plattform, Public DNS, Cloud-Dienste und Website Analytics.

Yandex ist auf die russische Sprache (und auch Kyrillisch) ausgerichtet und ist SEO-führend, während Google.ru lediglich um die 28% des russischen Markts ausmacht. Somit ist Yandex-Optimierung für SEO Pflicht, wenn es um den russischen Markt geht.

Einer der Hauptunterschiede, der bei der Suchmaschinenoptimierung für Yandex zu beachten ist: Yandex bietet keine Meta Description im Sinne von Google. Stattdessen wird willkürlich eine Passage aus dem Text gewählt und ist somit schwer zu kalkulieren.

Dadurch ist es erforderlich, ausschließlich relevanten Content mit einer guten Keyword-Dichte anzubieten.

 

Baidu – das Schwergewicht in China

 

Ähnlich wie Yandex in Russland, kann Chinas wichtigste Suchmaschine Baidu den größten Marktanteil verzeichnen. Zudem liegt Baidu im weltweiten Alexa Ranking auf Platz 4 – hinter Facebook, aber noch vor Yahoo.com!

Baidu ähnelt Google in seinem vielfältigen Service- und Produktangebot, inklusive eigener Social Media, Wiki, Musikservice und einem Document-sharing-System vergleichbar mit Google Drive.

Leider macht es Baidu Suchmaschinenoptimierern aus dem Ausland, die den chinesischen Markt erobern wollen, etwas schwerer als andere Suchmaschinen: Während viele Funktionen ähnlich wie die von Google sind, ist Baidu geprägt von staatlichem Monitoring und auch Zensur, denn viele internationale Seiten werden blockiert, während bestimmte staatliche Medien präferiert werden. Für die Suchmaschinenoptimierung sehr hinderlich, aber leider nicht zu beeinflussen. Wenn also Inhalte für Baidu optimiert werden sollen, ist es ratsam, dass jeglicher Content den chinesischen Regeln entspricht.

Baidu liegt deutlich hinter Google in Bezug auf AI: Während Google inzwischen deutlichen Wert auf inhaltliche Qualität und das Nutzerverhalten legt, basiert Baidu vor allem auf Link Building, während Content und Relevanz weniger wichtig sind. Zudem gibt es Kritik an Geschäftspraktiken von Baidu mit dem Vorwurf, Geld wichtiger zu nehmen als die User Experience.

Das bedeutet aber nicht, dass eine Website anstelle von sinnvollem Content lediglich eine Ansammlung von Keywords und Links bieten sollte – denn ganz gleich, ob die Suchmaschine es registriert oder nicht: Die User werden es bemerken.

Aber dennoch kann festgehalten werden, dass viele Google SEO-Guidelines in China nicht ganz so wichtig sind. Allerdings sind Meta Keywords, die Google nicht mehr registriert, für Baidu immer noch sehr wichtig.

Ähnlich wie Yandex für Russisch, ist Baidu für Chinesisch optimiert und kann chinesische Zeichen und Grammatik sehr viel besser auswerten als Google. Auch wenn das für viele Projekte wie Adwords oder die chinesischen Äquivalente viel Aufwand bedeutet, ist es die Anstrengungen dennoch wert. Wer seine Online-Aktivitäten für den chinesischen Markt ausrichten will, sollte seine Seiten so gut wie möglich für Baidu optimieren. Aber egal, ob die Suchmaschine die inhaltliche Qualität einer Seite bewertet oder nicht – der User wird es mit Sicherheit tun – und das ist es doch, was wirklich zählt.

 

Bing – der Underdog der Suchmaschinen

 

Bing erhält nicht die Anerkennung, die es verdient. Die Anstrengungen von Microsoft im Kampf gegen die Dominanz von Google im Bereich der Suchmaschinen ist anerkennungswürdig, auch wenn es nicht so erfolgreich läuft wie ursprünglich gehofft.

Bing hält immer noch respektable 21% Marktanteile in den USA und ist somit die zweit wichtigste Suchmaschine, weit vor Yahoo & Co.

Zudem ist die Suchmaschine von Yahoo! powered by Bing, wodurch sich die Reichweite und Bedeutung noch mehr erhöhen, sodass Bing etwa ein Drittel des amerikanischen Marktanteils hält – also eine Menge!

In Bezug auf SERPs gibt es dennoch einige Unterschiede zwischen Bing und Yahoo!, aber das liegt an so Faktoren wie Yahoo!’s special Features wie Video oder News Platforms. Seit dem 2016 macOS Update Sierra laufen jetzt auch Suchanfragen von Siri über Bing.

Bing, der Underdog unter den Search Engines, sollte nicht unbeachtet bleiben – und zum Glück ist die Content Optimierung für Bing nicht wirklich kompliziert: In Bezug auf SEO ist Bing mit Sicherheit das einfachste System, um Content zu optimieren.

Bing ist sehr transparent, was die Suchalgorithmen angeht – im Unterschied zu den mysteriösen Suchverfahren von Google, die weltweit SEOs zur Verzweiflung und zu mitunter zweifelhaften Experimenten treiben. Bing bietet SEO-Tipps, beispielsweise zum Aufbau externer Links. Anders als Google kümmert sich Bing weniger um die Semantik: Keywords sind immer noch die Hauptsache und das Ranking lässt sich leichter durch Features wie Bing Webmaster Tools und andere SEO-Systeme verbessern. Auch Meta Keywords sind hier noch angesagt.

Laut einer Infographik von Moz ist übrigens bei Bing die Seitenladezeit kein Faktor bei den SERPs – ein entscheidender Unterschied zu Google, wo langsame Ladezeiten das Ranking beeinträchtigen, vor allem nach Google’s Mobile First Indexing Update.

Es sollte nicht vergessen werden, dass Bing die von Internet Explorer und Microsoft Edge (dem Nachfolger von IE) genutzte Suchmaschine ist. Somit nutzen alle, die über diese Browser ins Internet gehen, automatisch Bing (und das sind eine Menge Nutzer). Das bedeutet auch, dass die Nutzerzahl zunehmen wird, je mehr Nutzer auf Windows 10 upgraden. Kurios daran ist, dass viele IE und Edge User Bing nutzen, um zu Google zu gelangen. Daher lautet die häufigste Suchanfrage auf Bing: Google.

Aber dennoch: Alle, die nicht für Bing optimieren, verpassen ein enormes Potential. Denn auch wenn Microsofts Suchmaschine Bing im Schatten von Google steht: Bing sollte nicht übersehen werden.

 

Fazit

 

Google bleibt – zumindest in der absehbaren Zukunft – der unangefochtene Champion unter den Suchmaschinen weltweit. Aber das bedeutet nicht, dass außer Google keine anderen Suchmaschinen zählen: Schließlich laufen unglaublich viele Suchanfragen über andere Suchmaschinen wie Baidu, Bing oder Yandex. Bei der Suchmaschinenoptimierung von Websites wäre es also ein riesiger Fehler, diese Märkte zu ignorieren – zumal sie auf dem Vormarsch sind. Aufstrebende Suchmaschinen wie Bing sind entschlossen, sich als ernstzunehmende Konkurrenten von Google zu etablieren – der Paradigmenwechsel im Bereich SEO könnte monumental sein.

 

Zwar lässt sich nicht verlässlich vorhersagen, was geschehen wird – schließlich kann Bing bisher nicht mit einer Weltraummission oder ähnlichem aufwarten – aber es kann definitiv nicht schaden, sich so zu positionieren, dass auch die Vorteile anderer Suchmaschinen genutzt werden. Wer weiß, welche Suchmaschinen zukünftig den Ton angeben?

 

Was ist deine Meinung zur Zukunft der Suchmaschinen? Hast du Erfahrungen mit der Konkurrenz von Google? Schreib uns einen Kommentar mit deiner Meinung!