Parlez-vous français? Kommunikation French-Style

François ist leitender Projektmanager im Bereich Fachübersetzungen bei Kolibri Online. Und sein Name lässt erahnen – quelle surprise: François ist Franzose. Bei Frankreich denken viele an Cafés, Rotwein und Savoir-Vivre mit einem gewissen Laissez-Faire. Zu Recht?

 

Quel cliché?

Franreich: Rotwein & Baguette im Bistro Café. Kolibri OnlineFrançois trinkt keinen Café-au-Lait, sondern viel Tee. Er isst kein Croissant zum Frühstück, sondern Obst und Müsli. Und in der Mittagspause gibt es anstelle von einem Drei-Gänge-Menü mit Rotwein einen selbstgemachten Salat – der hat allerdings ganz klar drei Sterne verdient und zeugt definitiv von Savoir-Quoi. Und Know-how hat François nicht nur in der Küche: Er spricht fünf Sprachen, hat einen französischen Magister (la Maîtrise) in Germanistik und einen Master in „European Studies and International Affairs“ sowie Arbeitserfahrungen in französischen, italienischen, deutschen und internationalen Großunternehmen. Gute Voraussetzungen für einen Projektmanager bei Kolibri, denn wir bieten Fachübersetzungen in über 50 verschiedene Sprachen. Alle zertifizierten Übersetzer sind ausnahmslos Native Speaker. Hier sind multilinguale Projektmanager gefragt, denn sie bilden die Schnittstelle zwischen Kunden und Übersetzern und sorgen dafür, dass Übersetzungen nicht nur termingerecht geliefert werden, sondern auch den speziellen Kundenwünschen entsprechen.
Wir haben unseren Projektmanager François nach Tipps gefragt, wie der Spagat zwischen so vielen Sprachen und Kulturen funktioniert.

 

Francois, Projektmanager Übersetzungen Kolibri Online Content Marketing Agentur Hamburg

 

Wie funktioniert die Kommunikation in internationalen und mehrsprachigen Teams?

„Ganz wichtig: Klischees müssen hinterfragt werden, damit die Kommunikation und Zusammenarbeit funktioniert. Du musst immer unvoreingenommen und respektvoll auf dein Gegenüber zugehen – und zuhören können. Das gilt immer, egal ob du mit Kunden oder mit Übersetzern zu tun hast. Vor allem im Kontakt mit den Übersetzern ist bei aller zeitlichen Effizienz die zwischenmenschliche Ebene enorm wichtig – schließlich soll die Zusammenarbeit langfristig und auf einer vertrauens- und respektvollen Basis stattfinden.“

Bei Übersetzungen hat die Einhaltung von Deadlines hohe Priorität. Schlägt sich das auf die Kommunikation nieder?

„Ich versuche auch unter Zeitdruck immer, sprachlich ein Lächeln zu vermitteln. Im Zweifelsfall kann das auch mal über einen Smiley oder Emoji ausgedrückt werden – denn die werden international verstanden.“

Smileys und Emojis erleichtern die internationale Kommunikation. Kolibri Online
„Ganz wichtig ist die ehrliche Kommunikation auf Augenhöhe. Auch Probleme und Kritik müssen angesprochen werden können. Aber immer konstruktiv und lösungsorientiert. Denn das ist die Voraussetzung dafür, dass Kunden mit dem Ergebnis zufrieden sind. Und über positives Kundenfeedback freuen sich am Ende auch die Übersetzer, denn hier kommt die Wertschätzung ihrer Arbeit zum Ausdruck.“

 

Werden bei der Arbeit in internationalen Teams kulturelle Unterschiede deutlich?

„Mir sind viele kulturelle Unterschiede erst im Nachhinein klargeworden. Ich habe vor meiner Arbeit bei Kolibri beispielsweise einmal in einem Team gearbeitet, in dem viele Franzosen und nur ein paar Deutsche waren. In Meetings haben die Franzosen oft erstmal sehr freies Brainstorming gemacht, während die Deutschen schnell Einwände wegen der realen Umsetzung hatten. Und manchmal gab es Missverständnisse darüber, welche Aussagen verbindlich sind und welche nicht. Das sind oft sprachliche Feinheiten in der Kommunikation.”

Was ist im Kontakt mit französischen Kunden besonders wichtig?

„Höflichkeit! In Frankreich nie mit Höflichkeitsformen knausern! Am Telefon entschuldigt man sich zunächst für die Störung und stellt sich dann vor, bevor man sein Anliegen vorbringt. Denn in Frankreich gilt: Wer was will, muss höflich sein! Das gilt nicht nur im internationalen Geschäftsbereich, sondern allgemein. In einer Bäckerei sagt man auch nicht: Ein Croissant! Sondern: Könnten Sie mir bitte ein Croissant geben? Ein knapper Telegrammstil ist in Frankreich nicht angesagt. Wobei sich das auch ändert. So lautete früher die klassische Abschlussformel von Anschreiben: ‚Je vous prie d’agréer Madame/Monsieur l’expression de mes salutations les plus distinguées.‘ Also zu Deutsch etwa: ‚Ich bitte Sie, liebe Frau, lieber Herr, den Ausdruck meiner vornehmsten Grüße anzunehmen.‘ Heute beendet man E-Mails meist einfach so: ‚Cordialement‘, also deutlich kürzer.”

Gibt es generelle Besonderheiten oder Unterschiede zwischen deutscher und französischer Arbeitskultur?

„In Frankreich wird häufig mit der Zeit großzügiger umgegangen: Die Mittagspause dauert oft mindestens eine Stunde oder sogar länger. Wenn ein Meeting nicht pünktlich losgeht, sondern sich um 10 oder 15 Minuten verspätet, sollte niemand deswegen eingeschnappt sein oder eine verdrießliche Miene ziehen, sondern locker bleiben. Ansonsten ist in Deutschland die Kommunikation zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern häufig deutlich ausgeprägter, beispielsweise durch regelmäßige Meetings oder jährliche Mitarbeitergespräche, Evaluationen und Reportings. Außerdem haben Arbeitnehmer in Deutschland meiner Meinung nach auch mehr Mitbestimmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten in Unternehmen, vor allem bei flachen Hierarchien. In Frankreich sind klassische Hierarchien noch weit verbreitet und du hast weniger Einflussmöglichkeiten auf strategische Management-Entscheidungen. Und in Frankreich werden soziale Errungenschaften viel schärfer verteidigt, hier ist das Recht auf Streik sehr wichtig und sogar in der Verfassung verankert. In Deutschland scheint mir das weniger konfrontativ, hier wird meistens erstmal geredet, um nach Lösungen zu suchen. Aber das verändert sich in Frankreich auch immer mehr.“

Inwiefern? Wo siehst du Veränderungen in der französischen Unternehmenskultur?

„Gerade in der Kreativwirtschaft werden neue und internationale Modelle ausprobiert, das ist wie ein Versuchslabor. Vor allem in kleineren Agenturen und Start-ups gibt es auch flache Hierarchien und Teamarbeit ist sehr wichtig. Außerdem gehen viele junge Franzosen ins Ausland und sammeln hier wichtige Erfahrungen und erweitern ihren Horizont. Das sind die Vorteile der Globalisierung und Internationalisierung.“

Ist Internationalisierung in Frankreich ein großes Thema?

„Internationalisierung ist überall ein Zukunftsthema, auch in Frankreich. Der digitale Wandel ermöglicht auch kleineren Unternehmen die Erschließung neuer Märkte – vorausgesetzt, Unternehmen sprechen ihre Kunden so an, dass sie verstanden werden. Kommunikation ist hier das A und O. Damit die Verständigung funktioniert, sind gute Übersetzungen gefragt. Das merken wir auch bei Kolibri, wo die Auftragszahlen für Übersetzungen in den letzten Jahren enorm gestiegen sind: Websites und Produkttexte, Anleitungen und Handbücher, aber auch die Firmenkommunikation oder juristische Verträge müssen übersetzt werden.“

Deine Meinung als Franzose: Wie können Unternehmen das Herz ihrer französischen Kunden erobern?

Also eins ist ganz klar: Franzosen hassen Werbung. Frankreich ist das Land, das am meisten Werbung ablehnt. Das belegen sogar Studien und auch in den Medien ist das Phänomen der werbehassenden Franzosen bekannt. Sie empfinden Werbung als stressig, zu allgegenwärtig und stehen Werbung äußerst skeptisch gegenüber. Jeder hat Adblock Plus in seinem Browser installiert, um lästige Werbebanner oder Pop-ups zu verhindern. Der französische Kunde ist –  plakativ gesagt – nicht gutgläubig. Auch die französische Gesetzgebung ist auf dem Werbungsgebiet sehr einschränkend. Daher sollte man ausgetretene Pfade verlassen, um Franzosen als Kunden für sich zu gewinnen. Denn was meiner Meinung nach sehr gut funktioniert: Humor. Mit witzigen Ideen, Videos oder originellen Aktionen gewinnt man schnell das Herz der Franzosen und Ihre Aufmerksamkeit. Und gut gemachtes Content Marketing erzeugt keinen zusätzlichen Stress. Ansonsten gilt in Frankreich das gleiche wie in allen Ländern: Internationale Marken sollten am besten mit lokal zugeschnittenen Themen die Kunden abholen. Also besser Native Advertising als globale Werbekampagnen.“

Gerade wurde eine Studie veröffentlicht, laut der sich die Ausgaben für Content Marketing in Frankreich in den nächsten drei Jahren verdreifachen sollen. Kannst du diesen Trend bestätigen?

„Unbedingt. Viele französische Firmen und Marken setzen schon seit Jahren auf Content Marketing. Der französische Reifenhersteller Michelin hat bereits vor über 100 Jahren Content Marketing genutzt und einen Ratgeber mit Tipps rund ums Autofahren und Reisen herausgegeben – inklusive Tipps für Reiseziele und Hotelempfehlungen. Der Guide Michelin erscheint heute noch. Und mein Urgroßvater hat bereits in den 1920er Jahren als Automobilingenieur an einer groß angelegten Event-Marketing-Aktion von Citroën, der sogenannten Croisière Noire, teilgenommen. Damals ein großes Event, ähnlich wie der Paris-Dakar und Marketing-technisch ein Volltreffer. Heute ermöglichen das Internet und die sozialen Medien ja noch ganz andere Formen und Aktionen. Von daher kann ich mir gut vorstellen, dass sich der Trend fortsetzen wird.“

Wie nutzt du persönlich die sozialen Medien?

Soziale Medien: Kommunikation im Internet. Kolibri Online„Zu Freunden halte ich über Facebook und per Skype Kontakt. Mit meiner Familie eher klassisch über das Telefon. Denn in Frankreich sind soziale Medien bei den Jüngeren zwar enorm wichtig, bei den älteren Generationen aber eher wenig verbreitet. Das ist anders als beispielsweise in Skandinavien. Netzwerke wie Xing oder LinkedIn nutze ich auch gerne, um neue Übersetzer zu rekrutieren.“

Und zum Abschluss dein wichtigster Tipp, damit die Kommunikation international funktioniert?

„Immer mit Respekt und auf Augenhöhe kommunizieren. Und gut zuhören! Und versuchen, die andere Person erstmal richtig zu verstehen – egal, in welcher Sprache. Fragen immer gleich klären und Unklarheiten beseitigen. Das ist in jeder Sprache wichtig. Im direkten Kontakt mit Franzosen ist es immer gut, ein paar Grundbegriffe zu kennen: Bonjour, merci, au revoir. Der Rest der Konversation kann auf Englisch oder mit Händen und Füßen laufen, wenn der Einstieg gelungen ist.”