G20 in Hamburg – Ausnahmezustand oder Business as usual?

Der G20 wirft bereits seit Monaten seine Schatten voraus – auch bei Kolibri: Von Infobroschüren der Polizei oder Flugblättern von Bürgerinitiativen im Briefkasten bis zu neuen Graffitis und Plakaten rund um unser Büro am Rande der Schanze. Kein Wunder, schließlich ist der Tagungsort am Messegelände fast so dicht wie die Rote Flora, das autonome Zentrum von Hamburg. Von daher war von vorneherein klar: Business as usual wird während dem G20 kaum möglich sein. Oder?

Zeitungsartikel und Infobroschüren zum G20 Gipfel in Hamburg mit eingezeichneten Sperrzonen rund um das Messegelände, Karoviertel und die Innenstadt von Hamburg. Foto: Kolibri Online

 

Hamburg während des G20 – zwischen Demos und Straßensperren

Das G20 Treffen am 7. und 8. Juli. in Hamburg stellt eine unglaubliche logistische Anforderung dar: Neben den Staats- und Regierungschefs und derer Delegationen kommen mehrere Tausend Journalisten nach Hamburg. Und Gegner und Kritiker – von Umweltaktivisten über Globalisierungsgegner bis zu Kapitalismuskritikern. Für die Tage vor und während dem G20 Gipfeltreffen sind fast 30 Protest- und Informationsveranstaltungen angemeldet – die Zahl der nicht-angemeldeten Protestaktionen dürfte um einiges höher sein. Mittwoch, Donnerstag und Freitag finden jeweils große Demonstrationen statt, die aufgrund der verhängten Sperrzonen zwar nicht direkt durch die Schanze führen dürfen, aber dafür durch Altona und St. Pauli – also unsere direkte Nachbarschaft. Für die große Demo unter dem Motto „Gemeinsame Solidarität statt G20“ am Samstag wird mit bis zu 100.000 Teilnehmern gerechnet. Die erste große Demonstration der G20 Protestwelle am Sonntag hatte laut Polizei etwa 8000, laut Veranstaltern etwa 25000 Teilnehmer – die Wahrheit wird also irgendwo dazwischen liegen. Die Demonstration verlief friedlich, genau wie der Demo-Rave „Lieber tanz ich als G20“ am Mittwoch. Aber spätestens seit den Räumungen des Protestcamps in Entenwerder oder des unangemeldeten Camps im Altonaer August-Lütgens-Park hat sich die Stimmung fühlbar angespannt.

Friedlicher Protest: "Lieber tanz ich als G20" Demo-Rave in Hamburg Sternschanze. Foto: Kolibri Online
Friedlicher Protest: „Lieber tanz ich als G20“ Demo-Rave in Hamburg. Foto: Kolibri Online

 

Wie der G20 Gipfel die Stadt verändert

Die Polizei verspricht zwar: „Wir werden die Beeinträchtigungen für die Hamburgerinnen und Hamburger in der Stadt so gering wie möglich halten. Im größten Teil Hamburgs werden die Auswirkungen des Gipfels kaum spürbar sein.“ Im Nachsatz wird aber darauf hingewiesen: „Ohne Beeinträchtigungen wird es aber nicht gehen.“ Das ist uns auch schon aufgefallen – von Sperrungen der S-Bahnstationen Sternschanze und Holstenstraße bis zu kurzzeitigen Sperrungen von wichtigen Durchgangsstraßen wie der Max-Brauer-Allee. Von den Ausfällen für Geschäfte und Betriebe ganz zu schweigen: Läden sind entweder geschlossen oder verbarrikadiert, Bankfilialen bleiben auch zu, Kitas machen dicht und darauf, dass ausgerechnet während des G20 der öffentliche Nahverkehr reibungslos funktioniert, möchte sich auch niemand verlassen.

Am Tag vor dem Gipfeltreffen ist der Weg zur Arbeit entsprechend gespenstisch: Läden sind geschlossen, Schaufenster mit Metall- oder MDF-Platten gesichert. Buslinien fahren nicht oder werden umgeleitet, dafür ist die S-Bahn erstaunlich leer – wie es aussieht haben viele die Stadt verlassen oder arbeiten aus dem Home Office. Auch im Kolibri Büro ist es – verglichen mit der sonstigen Stimmung – gespenstisch ruhig. Kein Wunder: Wer von den Kita-Schließungen betroffen ist oder wer einen weiten Anfahrtsweg hat, arbeitet während dem G20 im Home Office, während ein paar tapfere Kolibris die Stellung im Büro halten, Anrufe beantworten und Nachrichten weiterleiten. Über dem Viertel kreisen Hubschrauber, draußen ist immer mal wieder Blaulicht zu hören – aber alles erscheint noch relativ weit weg. Dabei findet der Gipfel am 7. und 8. gleich um die Ecke statt… mal sehen, wie sich die Lage in den nächsten Tagen noch entwickelt. Hoffen wir, dass der Spuk am Montag wieder vorbei ist.

 

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Anton

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