STRG. – vom BadPisser zu Social-Media-Stars und Influencern

Robert von STRG. hat uns vor ein paar Wochen im ersten Teil unseres Interviews spannende Insights zu den Themen Social-Media-Marketing und digitale Maschinen verraten. Dabei haben wir unter anderem erfahren, wie die Agentur ein Wodka-pissendes Manneken zum Social-Media-Star gemacht hat. Apropos Social-Media-Stars: STRG. arbeitet eng mit der Influencer-Agentur flow:fwd zusammen. Lest im zweiten Teil unseres Interviews nun, was einen Influencer eigentlich zum Influencer macht.

 

Eine eurer Partneragenturen ist die Influencer-Agentur flow:fwd, die Social-Media-Größen wie Simon Unge und Melina Sophie vertritt. Welche Erfahrungen habt ihr bisher mit Influencer-Marketing gemacht?

Robert: „Die Herausforderung bei Influencer-Konzepten liegt darin, den Kunden, das Produkt oder Thema und den jeweiligen Influencer oder die Influencerin stimmig miteinander zu verbinden. Vielen Unternehmen fällt es noch schwer, sich auf Influencer und deren Spielregeln einzulassen. Viele betrachten Influencer gerne plump als reinen Mediakanal und vergessen, dass es sich letztlich um Künstler handelt und nicht um bezahlte Schauspieler, die in einem Werbefilm eine Rolle spielen.”

Ratet ihr euren Kunden zu reinen Influencer-Kampagnen? Oder sind Influencer-Maßnahmen für euch immer Teil eines größeren Konzepts?

Robert: „Es kann auch reine Influencer Kampagnen geben, aber effektiver sind immer integrierte und plattformübergreifende Kampagnenkonzepte. Gute Beispiele sind Cases wie Yuneec oder der Streaming Marathon auf dem Gaming-Kanal Twitch für EWE. Der 30-Tage-Streaming-Marathon von Gamer und YouTuber Simon Unge alias „ungespielt“ hat auf Twitch zum Beispiel über 10 Millionen Zuschauer erreicht, die YouTube Videos hatten insgesamt nochmal gut 9 Millionen Views.”

 

 

Was macht einen Influencer überhaupt zum Influencer? Habt ihr das für euch streng definiert?

Robert: „Er oder sie muss mindestens auf drei Kanälen Einfluss haben, um sich überhaupt so schimpfen zu können, also meist YouTube und Instagram, manchmal auch ein eigenes Blog oder Facebook. Wer sich dann noch treu bleibt und auch langfristig super Content produziert, der rockt!”

 

 

Optimale Ergebnisse ist ein gutes Stichwort, das uns zum Thema Performance führt. STRG. veröffentlicht regelmäßig einen YouTube Influencer Report. Wie behaltet ihr den Überblick über die Millionen Videos, die permanent auf YouTube veröffentlicht werden?

Robert: „Wir werten Daten aus, die von VeeScore ermittelt werden. VeeScore.com misst die Performance von 30 Millionen YouTube-Kanälen und über 500 Millionen YouTube-Videos zu jedem Thema. Die Schwierigkeit besteht dann darin, diese Daten auszuwerten und sinnvoll und ansprechend aufzubereiten.”

 

 

Bei 30 Millionen YouTube Usern sicher nicht einfach. Wie geht ihr vor, um die wichtigsten Influencer und Themen zu identifizieren?

Robert: „In unserem Influencer Report konzentrieren wir uns zunächst auf Influencer aus Deutschland. Dann unterteilen wir die Kanäle in verschiedene Kategorien, beispielsweise Beauty, Gaming, Entertainment, Technik, People und Blogs. Aber die Zahlen sind gigantisch: Allein die 5 meistgesehenen Kanäle aus 5 unterschiedlichen Kategorien generieren innerhalb eines Monats über 600 Millionen Views auf YouTube. Spannend sind auch die Wachstumsraten, also wie viele neue Abonnenten ein Kanal innerhalb eines Monats bekommt – oder verliert. Das sind alles Zahlen, die zeigen, welche Reichweite Influencer generieren können. Solche Zahlen sind natürlich für Kunden immer sehr interessant, schließlich wollen die wissen, wo sie ihr Geld investieren und wie die zu erwartenden ROI-Werte sind.“

Das ist ja immer die große Herausforderung im Content Marketing: Messbare Erfolge. Apropos, vielleicht sollten wir die Frage als Content-Marketing-Agentur nicht stellen, aber: Wie beurteilt ihr als Social-Media-Agentur den Content-Marketing-Trend?

Robert: „Ich habe vor meiner Zeit bei STRG. lange in der PR gearbeitet und muss über so manche Häutung schmunzeln. Wer früher langweiliges Corporate Publishing machte, erfindet sich heute als hippe Content-Marketing-Agentur neu. Das ist nicht verwerflich, aber die Leute sollten weniger Wind darum machen. Der Trend ist keiner mehr, Content Marketing ist inzwischen Mainstream. Ich persönlich nehme das Wort Content Marketing so selten wie möglich in den Mund. Ich nenne es lieber ‚Inhalte mit Stories erzählen‘.”

Die „Inhalte mit Stories“ können noch so gut sein – wenn sie nicht gefunden werden, erfüllen sie ihren Zweck nicht. Wie verschafft ihr euren Content-Maßnahmen die nötige Reichweite?

Robert: „Wir setzen Social Advertising ein, also meist Facebook Media und Instagram Media. Oder wir setzen eben wie gesagt auf Influencer und deren Reichweite, falls es passt. Guter Content alleine reicht einfach nicht immer bei der massiven Konkurrenz um Screentime.”

Letzte Frage, bevor wir dich zurück an den Schreibtisch lassen: Wie werden sich Content- und Social-Media-Marketing aus deiner Sicht in den nächsten fünf Jahren entwickeln? Werden wir uns nur noch in virtuellen Welten bewegen?

Robert: „Ich persönliche erwarte neben den digitalen Entwicklungen im Bereich Social Media auch eine Rückbesinnung auf klassischen Content, beispielsweise von Webseiten als Content Hub. Und Content in Papierform prophezeie ich eine Renaissance. Wegen der Überflutung online und der Suche nach vertrauenswürdigen Quellen und Haptischem. Nicht ohne Grund gibt es eine Rückbesinnung auf E-Mail-Newsletter und Briefe im Direktmarketing. In der Kommunikation wird es immer darum gehen, online und offline smart miteinander zu verbinden – wie bei unseren Digitalen Maschinen. Nein, im Ernst: Ich glaube an eine lange und friedliche Koexistenz aller Content-Welten.”

 

 

Astarte Buono